Sonntag, 1. September 2013

Fazit dieses Segeltörns

Sonntag, 02.09.2013

Nochmal: Schön war es.
Wir haben viel erlebt, viel gelernt und wir möchten keinen Tag dieser drei Wochen missen.
Es war nicht immer leicht, aber es war insgesamt schön und sehr erholsam.

Fassen wir das mal zusammen:
Wir waren 21 Tage unterwegs. In dieser Zeit haben wir 437 Seemeilen - das sind 809 km - geschafft.
Davon sind wir 229 Seemeilen (424 km) gesegelt und mussten 208 Seemeilen (385 km) motoren. Somit hatte das Segeln mit 52% der Gesamtstrecke zum Glück die Oberhand.
Wir bewältigten dies in 15 Tagesfahrten, bei denen wir 15 Häfen angelaufen sind. Insgesamt waren es 10 verschiedene Häfen. Das heißt 10 mal Dusche suchen, Hafenmeister finden und vor allem: 10 verschiedene Orte. 7 Häfen waren schwedisch, 3 deutsch.
Unsere Vorräte waren wieder gut bemessen. Es gibt noch etwas Bier für den einen oder anderen Wochenendtrip an Bord und die Sammlung an süßen und salzigen Snacks lässt auch noch einige längere Törns zu. Die "richtigen" Nahrungsmittel sind fast komplett aufgebraucht; die Vorrat der Wasserflaschen ist bis auf einen kleinen Rest - die einkalkulierte Notreserve - zusammengeschmolzen.

Wir werden lange von den schönen, vor allem schwedischen, Eindrücken zehren. Es gab so schöne Landschaften, die sich unzerstörbar im Kopf abgespeichert haben. Wir haben interessante Menschen kennengelernt; aufgeschlossen, hilfsbereit und angenehm neugierig. Es gab so viele schöne Gespräche mit Menschen auf unserem Weg; abends beim Bier von Boot zu Boot, sonst öfter mal quer über den Steg oder gemütlich bei einem leckeren Kaffee. In Schweden sprach man mit uns deutsch, englisch und deutsch-schwedisch mit händegefuchtelten Untertiteln.
Wir sind entspannt und erholt wiedergekommen. Viele unserer Wünsche für diese Reise wurden erfüllt.
Das kleine Boot hat uns weit gebracht. Trotz des Wunsches nach möglichst weiter Reise ist uns kein Tag im Hafen, und somit an Land, zuviel. Nur so lernt man Land und Leute wirklich kennen.
Trotzdem brennt das Reisefieber weiter, soll es das nächste Mal noch nördlicher gehen.
Wir verzichten dabei gerne auf weitere Wetterüberraschungen und wünschen uns einen Vorrat an Wind - na gut, welcher Segler wünscht sich das nicht.
Über den Winter wird das Boot an Land gehegt und gepflegt, kleine Wunden geheilt und verschlissene Leinen ausgetauscht.
Der kleine schwarze Schreihals geht in den Winterurlaub und darf weiterhin davon träumen, mal einen Urlaub lang ganz viel (am Heck) rumhängen zu dürfen.

Wir danken allen Lesern unseres Blogs für das Interesse an unserem Törn.
Es ist ein schönes Gefühl, euch auf diese Weise bei uns zu haben.

@Ira&Ken: Ihr habt super auf uns aufgepasst. Danke für jeden Rat, Web-Link und die Seelen-Streichler, wenn das Wetter nervte oder der Körper schlappmachten. Ihr seid uns sehr gute Freunde!


Freitag, 23. August 2013

Finale mit großem Paukenschlag (aktualisiert)

Freitag, 23.08.2013

Harry wurde ungnädig aus der Koje geworfen. 8 Uhr, Sonnenschein, leichte Brise und die letzte Tour des Urlaubs, in den Heimathafen Neuhof, warteten schon.

Angesagt war ganztägig Ost, Stärke 3, am Nachmittag sollte mit 4-5 Bft Schwung in die Sache kommen. Na gut, da sind wir längst im Hafen - schade aber auch. Dachte ich ...

Nach der üblichen Routine Ablegen und raus aus dem Hafen, Segel gesetzt und sanft Richtung Bodden geschwebt. Auf dem freien Wasser war es Harry bei 3 ktn  zu lahm, er forderte das Leichtwindsegel. Ich hatte Bedenken wegen der aufkommenden stärkeren Winde --- gut, Segel komplett runter und das Gennaker vorbereitet. Als alles fertig war ... kam wieder Wind auf. Ich guckte fragend ins Cockpit. Meine Erfahrungen, die knapp 41m² Segel bei mehr als Windstärke 3 zu setzen, sind durchwachsen bis schmerzhaft. Wenn dir da eine Böe reinhaut, während du noch auf dem Vordeck rumturnst, wirst du durch die plötzliche Schräglage ordentlich durch die Gegend geschubst.
Aber da flaute der Wind auch schon wieder ab.
Bergeschlauch (siehe Foto rechts) hochgezogen und das Segel stand im Wind. Bei ganzen 2 Bft rauschten wir unter Hilfe der von hinten kommenden Wellen mit 5-6 ktn durchs Wasser.
Das ging die ganze Zeit gut - bis das Boot, im Strelasund angekommen, immer schneller wurde. Mittlerweile waren wir bei bis zu 7 ktn angekommen und der Gennaker fing an, ungeduldig hin und her zu schwingen. Harry fand das nicht weiter schlimm, mir standen die Schweißperlen vor Aufregung auf der Stirn. Wenn vor einem 7,50 m langen Boot 41m² knallrotes Tuch mal nach vorn und dann wieder seitwärts wandern, sieht das schon sehr ... spannend aus. Trotz verschiedener Trimmversuche bekamen wir dieses Phänomen nicht in den Griff. Da kam aber schon die Abfahrt zu unserem Hafen.
Kurz vor den Tonnen des Fahrwassers habe ich die Schoten gelöst (Leinen, mit denen man vom Cockpit aus die Segelstellung des Gennakers einstellt), damit ich nach vorne gehen kann und den Bergeschlauch über das halbwegs erschlaffte Segel ziehen kann.
.... in diesem Moment löste sich die Verankerung an dem Seil, mit dem der Gennaker am Mast nach oben gezogen wird (für die Segler: der Schäkel am Gennakerfall hatte sich geöffnet). Mit ordentlichem Rauschen fielen die 41m² rotes Tuch ins Wasser. Harry reagierte prompt, lenkte seitwärts und damit den Motor (und das Heck des Bootes) weg vom Segel und legte so schnell es ging den Rückwärtsgang ein.
Ich versuchte während dessen, das noch an zwei Ecken mit Leinen am Boot verbundene Segel wieder aufs Deck zu zerren. Himmel, war das schwer! Nachdem es mich anfangs mit dem letzten Schwung der Fahrt fast ins Wasser gezerrt hatte, bekam ich dank Harrys schneller Reaktion mit dem Rückwärtsfahren des Bootes das Segel nach und nach an Deck. Muss schon lustig ausgesehen haben, wie ich mich mühsam unter dem klitschnassen Segel wieder hervorgebuddelt habe. Das Boot musste ja noch fürs Anlegen vorbereitet werden (Festmacherleinen bereit legen, Fender [bitte bei Google nachschlagen] ausbringen).
Als wir fest am Steg lagen, mussten wir die Sache erst einmal verdauen. Uns war klar, das der Schäkel dringend ausgetauscht werden muss - und wir verdammtes Glück hatten, dass uns das nicht früher mitten auf dem Strelasund passiert war.

Während ich das Deck aufräumteund versuchte das Segel zu trocknen, kümmerte sich Harry um die Technik. Unsere Ruderhalterung muss nachgeschweißt werden, da die Schweißnähte Risse aufweisen bzw. schon gerissen sind und der kleine schwarze Schreihals bekommt zur Belohnung eine Durchsicht und Wartung verpasst. Das Schöne: wir haben alle erforderlichen Firmen dafür im Hafen. Also das Boot raus aus der Box und mit dem Heck zuerst wieder rein, das Ruder "schnell mal" abgebaut und den dicken Schwarzen mit seinen 37 kg von der Motorhalterung gehoben. Ging letzten Endes besser als wir befürchtet hatten. Da wir eh erst in drei Wochen wieder segeln wollen, passt das gerade bestens.
Mit ein paar kleinen Wartungs- und Reinigungsarbeiten bedankten wir uns noch beim Boot für seine treuen Dienste auf dieser langen Tour.
Ha, bis Karlskrona - wer hätte das gedacht.
Wehmütig werden wir wohl morgen Vormittag von Bord gehen. Schön wars.

Schweden und seine Menschen haben mich tief beeindruckt. Die Schönheit und Wildheit der Schären, die einfache und offene Art der Schweden und ihre unaufdringliche Hilfsbereitschaft. Ich könnte morgen sofort wieder ablegen, auf eine Neues - noch weiter, die Ost- und Westküste sind ewig lang.
Gut, das erzähle ich unserem kleinen Außenborder besser erst nächste Saison ...  ....

wir brauchen ein größeres Boot - zum Segeltrocknen
Das Ruderblatt ist OK, die Metallteile dagegen haben Risse




Noch ist der Motor dran und  ... schon ist er ab.
Rauf auf den Wagen und ab zum Service im Hafen.



Herr der Winde - Zurück im Auenland (aktualisiert)

Mittwoch/Donnerstag, 21./22.08.2013

Wegen der extrem schlechten Internetanbindung auf Rügen zwei Tage in einem Doppelblog.

Gestern starteten wir ohne Eile und gut vorbereitet aus dem Hafen.
Harry hatte sich leidlich gesundgeschlafen und war soweit  wieder in der Lage, mitzusegeln.

Da Wind aus West in dauerhafter Stärke 3 angesagt war, bereitete ich schon im Hafen das Leichtwindsegel vor. Draußen auf dem Wasser wurde es gehisst und ab ging die Fahrt. Bei mauen 1,5 Bft immerhin noch über 4ktn schnell. Der Königstuhl zeigte sich in der Sonne wieder von seiner besten Seite.













Kurz danach, in der Bucht von Sassnitz, verließ uns das letzte Lüftchen.Das Segel hing schlaff am Mast und das Boot trieb nur noch in der Strömung. Der Herr der Winde hat mit uns kein Erbarmen - oder extrem schlechte Laune.

Der kleine schwarze Schreihals schniefte bestimmt schon  innerlich , denn er wusste, was kam. Kein Urlaub für ihn. Da wir keinen Wind und kaum Welle hatten, war die Arbeit für ihn aber nicht so schwer.







Harry, der sich weiterhin schonen sollte, entdeckte den Fotoapparat als Zeitvertreib. 


Hier unsere gestrige Fahrt in Bildern

Ein gut mit Schoki gefütterter Rudergänger hält ewig durch! 

Segeln ist eine harter, anspruchsvoller Sport ... wenn man genug Wind hat

... und motoren ist öde ... mehr Schoki!!!














Tag des Gennakers.
Östlich von Rügen.





Eine wichtige Frage zu diesem Bild:
Gemäß den KVR (Kollisions-Verhütungs-Regeln) muss der dicke Blaue dem Segelboot ausweichen.
Wer von euch würde in diesem Fall auf seine Vorfahrt pochen?


Angekommen in Gager gönnten wir uns ein kleines Essen im Restaurant - Harry braucht dringend eine Nudelpause und die sind leider das einzige Angebot der Bordküche.

Nächster Tag (Donnerstag):
Mangels Wind haben wir heute einen Wandertag geplant. Diesmal soll es in die südliche Ecke der Halbinsel Mönchgut gehen. Dort liegt der Hafen Thiessow, den wir uns mal näher anschauen wollten. Was für ein Fußmarsch ... jedenfalls für Segler, die drei Wochen im Boot saßen. 6 km über die Auenlandschaft von Gager nach Thiessow (kein schöner Hafen) und fast 7 km retour, weil wir unbedingt noch in das Restaurant in Groß Zicker wollten.
Es ging von ganz links nach ganz rechts, um die Bucht ... und retour

Harry sucht den Wind ... 
  Schmuckstücke am Wegesrand


Pause im Thiessower Hafen inkl. Picknick

Das muss so ... damit es wieder dicht wird.

Ich ließ nichts unversucht, irgendwo meine Posts hochladen zu können. 

Für meine Eltern: eine schöne Erinnerung an die Zeiten in Neuenhagen!

Nach ausgiebiger Schlemmerei schleppten wir unsere dicken Bäuche über die Hügel des Rügener Auenlandes  zurück zum Hafen von Gager.

Ein wenig Siesta, ein wenig aufräumen, duschen, Wassertanken usw. und sanft den Abend eingeläutet. Schön sind die abendlichen Gespräche mit dem Bootsnachbarn über Boote, Segelreviere, Segelerfahrungen usw. Dabei noch ein Bier in der Hand und den Sonnenuntergang im Augenwinkel - perfekt.

Morgen geht es zum Ausgangspunkt unserer Reise - in unseren neuen Heimathafen Neuhof. Der Hafenmeister wurde heute morgen wie vereinbart angerufen, unsere Box ist frei und erwartet uns. Es ist beschlossene Sache, das Boot bleibt auch 2014 hier liegen.
Ostsee macht süchtig ...

Donnerstag, 22. August 2013

Zwischenmeldung

Macht euch keine Sorgen wegen der laschen Funkstille. Uns geht es gut.

Die Internetanbindung hier auf Rügen ist nur so schlecht, dass ich keinen vernünftigen Post hochgeladen bekomme.
Ich reiche die fehlenden Posts morgen Abend (Freitag, 23.08.) aus dem Heimathafen Neuhof nach.

Eure Katrin

Dienstag, 20. August 2013

Abschied - zweiter Teil

Dienstag, 20.08.2013

Schweden wollte wohl, das wir da bleiben ... ich hätte nichts dagegen.
Der Abschied von Land und Leute fällt mir schwer.

Der Weckruf vom Handy schüttelte uns gnadenlos aus der Koje.Wir hatten es tatsächlich geschafft und sind punkt fünf Uhr aufgestanden. Allerdings sahen wir beide aus, als wären wir gerade erst ins Bett gegangen. Mehr als eine Tasse Tee/Kaffee bekam keiner runter. 
Wie geplant verließen wir um sechs Uhr den Hafen und fuhren unter Motor hinaus. Es war ein schöner Morgen, Ystad schlief noch im wolkenverhangenen Sonnenaufgang. Nur ein weiteres Segelboot und eine dicke Fähre aus Polen brachten Leben in das Panorama vor dem Hafen.
Fehlte nur noch Wind ... der muss wohl den Wecker nicht gehört haben. Nur ein einsamer Hauch strich über die kleinen Kräuselwellen der Ostsee. Das darf doch wohl nicht wahr sein! 
Jede verdam... Wetterseite im Internet sprach von 4-5 Bft aus Nordwest, später auf West drehend. Wo waren die??? Sollte die eine (norwegische) Seite www.yr.no Recht behalten? Diese hatten als einzige einen sehr schwachen Wind vorhergesagt. Nach ein paar Seemeilen mit dem kleinen Suzuki-Außenbord-Brüller im Nacken versuchten wir es mit dem Leichtwindsegel. Der Wind hatte etwas gedreht und leicht aufgefrischt. Trugschluss! Nach einer halben Stunde gaben wir auf. Der Wind war so schwach, dass sogar der Gennaker - für Leichtwind gemacht - schlaff am Mast herunterhing. Dem Windanzeiger am Masttop war so langweilig, das er sich windlos um sich selbst drehte und im Display lustige Zustände anzeigte.
Also nochmal den kleinen schwarzen Schreihals gestreichelt, ihm was von "nur mal kurz" erzählt und auf Marschgeschwindigkeit (80% Leistung, knapp 5 ktn) aufgedreht. Wir hatten bis Rügen insgesamt 52 Seemeilen vor uns, von denen wir zu diesem Zeitpunkt vielleicht erst 4-5 bewältigt hatten. Was für eine Aussicht. 
Die Stimmung an Bord sank auf den Nullpunkt. Harry, dem es allgemein nicht gut ging, verkroch sich unter Deck und ich machte es mir so gut es ging an der Pinne bequem. Cola Zero und schwedische Schokolade in Griffweite - alles bestens. 

Als uns alle 8 PS des Aussenborders bis auf Sichtweite (gut 18 Seemeilen) an Rügen herangebracht hatten, sahen wir, wie von Westen ein Schlechtwettergebiet schräg vor uns auf Rügen zutrieb. Das war unsere große Hoffnung: Schauerböen! Nur schlechtes Wetter macht richtig guten Wind.  
Und tatsächlich - es frischte mächtig auf. Harry saß eh schon am Ruder, also konnte ich losspringen und die Segel setzen. Lief das Boot vorher unter Motor so um 5 ktn, rauschte es bei 3-4 Bft auf Halbwind mit über 6 ktn übers Wasser. Die schräg von hinten einlaufende Welle war zwar nervig, weil sie das Boot in der Quer- und der Längstachse kippte, aber wir hatten endlich Segelspaß - Harry leider weniger. Dem gab die Welle den letzten Rest. Todmüde und blass hing er in der Cockpitecke vorm Niedergang. Nicht wirklich seekrank - anscheinend richtig krank. Zum Glück blieb das schlechte Wetter beständig vor uns. Ich konnte zusehen, wie Rügen kräftig abgeduscht wurde und genoss den Wind im Segel, der aus dieser Dusche hervorging.
Trotzdem schafften wir die Einfahrt in den Hafen von Lohme (Rügen) ganz gut. Harry übernahm das Ruder, damit ich die Segel runternehmen und das Boot zum Anlegen klar machen konnte. 

Der beim Einlaufen fast leere Hafen hat sich bis zum Abend sehr gut gefüllt. Viele deutsche Segler hat es heute aus den schwedischen Küstengebieten nach Hause getrieben. Der einzige Tag der Woche ohne Südwestwind. Zeitweise wurde im Minutentakt angelegt.
Harry liegt seit unserem Anlegen lang, friert vor sich hin und schläft fast durchgängig. Ich fange schon an zu planen, wie ich ihn und das Boot noch die restlichen 50 Seemeilen bis Freitag nach Neuhof bekomme ... 
Aber erstmal eine Nacht drüber schlafen und morgen den Patienten bei Lichte betrachten. 
Keine Sorgen, wir bekommen das schon hin.

Zum Abschluss noch ein paar Fotos von meiner Telefonier- und Fotorunde im Hafen, damit Harry etwas Ruhe an Bord hat. Telefonate mit ToTo dauern immer etwas länger *zwinker*


Als wir einliefen, lagen erst fünf Segelboote im Hafen

Sonnenuntergang am Meer - immer wieder schön

So ein kleiner Hafen und so gut bewacht. Na dann - gute Nacht!


Montag, 19. August 2013

Abschied - erster Teil

Montag, 19.08.2013

Sollte morgen nicht der totale Wetterumbruch stattfinden, werden wir die schwedische Küste definitiv verlassen.
Den heutigen Hafentag nutzten wir für erste Vorbereitungen für den langen Schlag nach Rügen und den Abschied von Ystad.
Erstmal Frühstück!
Dann gingen wir diverse Notwendigkeiten am Boot an. Erst tüftelten wir eine Weile an einer Verbesserung unserer nicht besonders funktionierenden Arretierung der Ruderpinne. Dies wäre eine sehr hilfreiche Sache, wenn man allein im Cockpit ist und nur mal für ein paar Sekunden weg vom Ruder will. Sei es, um am Plotter die Einstellung zu ändern oder das Vorsegel besser stellen zu wollen - alles, ohne den anderen extra deswegen wecken zu müssen. Nach einigen Varianten haben wir eine halbwegs gute gefunden. Noch nicht die finale Lösung, aber für die nächsten Fahrten bis in den Heimathafen sollte es funktionieren. Wichtig war, dass sie sich im Notfall schnell lösen lässt. Alles bedacht und sollte funktionieren.

Danach kümmerte sich Harry um den Einbau der noch fehlenden Sicherung im Batteriebereich, ich schrubbte das Boot an besonders schlimmen Stellen und legte zum gefühlt hundertsten Mal in diesem Urlaub die Backskiste mit dem Frischwassertank trocken. Nicht nur, dass der Tank am Einlassventil weiterhin etwas tropft; die Abdeckung der Backskiste bekommen wir einfach nicht dicht und nach den gestrigen Regengüssen steht das Wasser darin. Nicht hoch, nicht schlimm, aber nervig. Also alles wieder ausgeräumt, den Einlass-Schlauch neu aufgesetzt, Stauraum getrocknet und alles wieder eingeräumt. Jetzt können wir morgen gut abgesichert, sauber und trocken starten.

Der Hafen ist mittlerweile (im Gästebereich) wie leergefegt. Wir haben eine ganze Stegseite für uns allein. Das wird sich bis zum Abend erfahrungsgemäß wieder füllen.

Anschließend gingen wir auf eine Abschlussrunde und ein gutes Essen in die Stadt - ein kurzer Weg, Ystad ist im Kern nicht besonders groß.
Im "schwedischen Pub" LeCardinal eine schöne Grillplatte mit Fleisch, knackigem Gemüse und überbackenem Kartoffelbrei (auf einem heißen Holzbrett serviert, typisch süd?schwedisch), anschließend in der Konditorei Diana doppelten Espresso (endlich!) und leckere Torte. Zum Glück gab es meine Lieblingskuchen - Käse oder Schokolade - nicht. Laut Wörterbuch hätte ich Ostkaka (sprich: Uhstkaka) oder Kladkaka bestellen müssen. Dazu war ich nach dem Bier zum Mittag schlichtweg zu albern drauf :-)))
Sicherheitshalber bin ich beim Bestellen auf Tårta (Torte) umgestiegen
Zurück zum Hafen ging es wieder einen anderen (Um-)Weg, immer auf der Suche nach neuen Ecken im kleinen Städtchen. Dabei entdeckt man unter anderem solch schöne kleine Höfe:

Noch einem kleinen Umweg über den Fährhafen, zurück zum Yachthafen, das letzte Mal Liegegeld am Automaten bezahlt und den Nachweis am Boot festgemacht. Sonnenbaden, lesen, schlafen - Urlaub.
Morgen soll es sehr früh losgehen - wenn wir nicht trödeln, dann fahren wir mit dem ersten Tageslicht aus dem Hafen. Ob wir das hinbekommen oder verschlafen? Ob das Wetter diesmal stimmt? Wir lassen uns - wie immer - überraschen. Die Heimat ruft, auch wenn wir auf diesem Ohr gerne noch etwas taub sind.

Sonntag, 18. August 2013

abgesoffen

Sonntag, 18.08.2013

Am frühen Morgen - so gegen 8:30 Uhr - wurden wir von lautem Rufen, gestarteten Motoren und ausrauschenden Festmachern geweckt. Viele Crews aus unserer direkten Hafennähe waren im Aufbruch. Schnell ein prüfender Blick auf die Seewetter-App, ob wir ein nahendes Sturmtief oder ähnliches verpasst haben ... nö! Keine Katastrophe im Anmarsch. Heute kommt allerdings starker Wind bis Stärke 7 auf, ein Grund mehr für uns, im Hafen zu bleiben. Während Harry sich wieder aufs Kissen fallen ließ, sah ich dann doch noch vorsichtshalber mal in die Nachrichten. Nö, auch nix, was den sofortigen Aufbruch verlangte. Also einen guten Schweden-Krimi raus und ruhig bleiben. Es waren fast ausnahmslos deutsche Boote, die den Hafen verließen. Sicher nur gestresste Urlauber, die bis heute Abend zu Hause sein müssen, weil der Urlaub zu Ende ist.
Nachdem wir uns dann doch zum Aufstehen überreden konnten, war erst einmal ein gemütliches Frühstück angesagt. Die Sonne kämpfte sich durch die Nachtregenwolken, es wurde endlich mal wieder wärmer.

Die Feuerwehr im Hafen ist schon aufregend. See-Übung, achso. Aber der Kleine im Vordergrund hat unsere Herzen noch höher schlagen lassen! Einfach cool!
Wir brauchten Brot und befragten den Stadtplan nach ICA oder coop - unsere Stammhäuser für den täglichen Bedarf in Schweden. Schnell gefunden stapften wir los. Wir haben schon letztes Jahr so viel Zeit in Ystad verbracht, das wir uns fast ohne Plan zurechtfanden. Irgendwie ein schönes Gefühl von "zu Hause"; die Stadt gefällt mir jedes Mal aufs Neue.
Das übliche Ystad-Foto. Alle Jahre wieder ... gut so!

Eine Schönheit im Vorgarten. Blumen gibt es in Ystad sprichwörtlich an jeder Häuserecke.

Den Einkauf schafften wir noch trocknen Fußes. Kaum zurück fing es an zu regnen - und regnet seitdem fast durchgängig. Aber es ist nicht kalt - nordische Tropen sozusagen.
Foto vom Cockpit in den verregneten Hafen. Die Mariner ist (fast) allein in dieser Reihe. 
Uns stört das nicht großartig. Heute war Erholung angesagt und die haben wir. Faul unter Deck wurde in Segelfachzeitschriften geblättert, ein wenig sauber gemacht und ausgiebig gekocht. Ein frisch gejagtes Schweinefilet vom ICA in Rosmarin-Frischkäse-Soße mit Knoblauch-Zwiebel-Mais. Leider verstärkte die Kocherei den eh schon hohen Feuchtigkeitsgehalt der Luft unter Deck. Wegen des prasselnden Regens konnten wir lange Zeit keinen Durchzug machen. Alle Flächen beschlugen, bah - man hat´s schon schwer ... :-)

Dank der Regenwolken gab es einen beeindruckenden Sonnenuntergang. 

Auch jetzt herrscht an Bord sehr viel Ruhe. Keine Hektik; wir haben uns für den Rückweg nach Rügen für den vorausgesagten Wind am Dienstag entschieden. Der startet als Nordnordwest-Wind mit Stärke 2-3 Bft und steigert sich gen Rügen auf eine angenehme 4 aus Westnordwest. Das lässt auf eine schöne Fahrt unter Gennaker (Leichtwindsegel) hoffen.
Das heißt, dass wir auch morgen noch im Hafen von Ystad bleiben, Urlaub spielen, ein bisschen am Boot basteln (nein, Kenneth, der Boiler kommt noch nicht) und zwischendurch einfach mal nichts machen.
Eins haben wir uns vorgenommen: Kaffee trinken gehen, einen richtig guten Espresso. Das fehlt uns schon so langsam - noch ist die Nespresso-Maschine nicht mit an Bord ... noch nicht :-)))

Samstag, 17. August 2013

Volles Programm

Samstag, 17.08.2013

Der heutige Rückweg von Simrishamn nach Ystad zog sich. Aber die Natur gab sich große Mühe, uns den eigentlich nur mittellangen Hopser zwischen beiden Häfen abwechslungsreich zu gestalten.

Das Handy weckte gnadenlos um 7 Uhr. Normalerweise keine Un-Zeit, aber irgendwie war das heute nicht unsere. Irgendwie noch einen Kaffee in den Bauch gegossen und ein paar Blaubärschnecken gemümmelt - mehr ging nicht. Im Hafen war schon reges Treiben, viele Crews machten ihre Boote fit und wollten weiter.

Die Wind-Voraussagen für den Tag waren mäßig: anfangs 3-4 Bft, schon nach 2 Stunden abschwächend auf 2-3, alles aus Richtung Südwest. Da wir bis zur Südgrenze Schwedens runterwollten, um später gen West abzubiegen, hieß das von vonherein kreuzen. Die Sehnsucht nach Ostwind ist riesig, je mehr es gen Heimat geht. Der wäre jetzt so passend ... aber, is` halt nich im Angebot!
Der ideale Kurs für heute beschreibt eine Länge von 28,3 Seemeilen. Machbar. Kreuzen bedeutet, dass der Wind daher kommt, wo man hin will. Also muss man im zickzack segeln und der Weg wird lang und länger ... in unserem Fall wurden aus den 28,3 insgesamt 44,6 Seemeilen. Das sieht dann so aus:

Zweimal erwischte uns ein Schlechtwettergebiet mit stärkerem, böigen Wind bis fast 6 Bft und etwas Regen. Dazwischen hatten wir alles an Windstärke, was der Normalbereich der Skala so zu bieten hat. Von 2 -5 Bft war alles vertreten und kam immer unverhofft. Es gab in loser Reihenfolge halb-bedeckten Himmel, bedeckten Himmel, dunklen Himmel und strahlenden Sonnenschein. Den vor allem am Ende der Strecke, als uns blöderweise der Wind komplett einschlief. 12 Seemeilen vor Ystad (man konnte schon die Silos im Hafen erkennen) dümpelten wir mit 1,9 ktn (Seemeilen pro Stunde!) in den Wellen und fingen an zu rösten. Knapp 8 Seemeilen vor dem Hafen gaben wir auf. Segel runter, Motor an. Wir waren müde von der Sonne, ausgelaugt vom Wetter und den starken Windstärkenwechseln und wollten einfach nur noch ankommen. Da ich eh schon den ganzen Tag dauermüde durchhing (hoffentlich wird das nichts Ernstes), musste Harry die doofe Motorstrecke alleine bewältigen. Ich schlief trotz Motorgeräusch, wo ich saß oder lag, immer wieder ein. Trotz alledem hatten wir eine tolle Abendstimmung kurz vor Ystad:



Der Hafen war nicht gerade überfüllt. Erstaunlich, aber gut so. Ein freier Platz war schnell gefunden. Nach ein paar schnellen frischen Nudeln mit Olivenöl und viiiieeeel frischem Parmesan zur Belohnung dümpeln wir im Cockpit bzw. unter Deck herum und werden wohl gleich schlafen gehen. Basili2, der auch dieses Mal als Nudelbeilage verschont wurde, durfte noch etwas die Abendsonne genießen. Im Hafen ist es jetzt schon ziemlich ruhig. Da waren heute wohl mehrere im selben Kreuz-Kampf wie wir - gesehen hatten wir so einige Boote.
Morgen werden wir wohl noch einen Tag in Ystad verbringen. Was morgen an zuviel Wind unterwegs ist, wird uns in den kommenden Tagen wieder an der Idealstärke (4 Beaufort) fehlen. Mal sehen, wann es uns von hier nach Rügen treibt.