Harry wurde ungnädig aus der Koje geworfen. 8 Uhr, Sonnenschein, leichte Brise und die letzte Tour des Urlaubs, in den Heimathafen Neuhof, warteten schon.
Angesagt war ganztägig Ost, Stärke 3, am Nachmittag sollte mit 4-5 Bft Schwung in die Sache kommen. Na gut, da sind wir längst im Hafen - schade aber auch. Dachte ich ...
Nach der üblichen Routine Ablegen und raus aus dem Hafen, Segel gesetzt und sanft Richtung Bodden geschwebt. Auf dem freien Wasser war es Harry bei 3 ktn zu lahm, er forderte das Leichtwindsegel. Ich hatte Bedenken wegen der aufkommenden stärkeren Winde --- gut, Segel komplett runter und das Gennaker vorbereitet. Als alles fertig war ... kam wieder Wind auf. Ich guckte fragend ins Cockpit. Meine Erfahrungen, die knapp 41m² Segel bei mehr als Windstärke 3 zu setzen, sind durchwachsen bis schmerzhaft. Wenn dir da eine Böe reinhaut, während du noch auf dem Vordeck rumturnst, wirst du durch die plötzliche Schräglage ordentlich durch die Gegend geschubst.Aber da flaute der Wind auch schon wieder ab.
Bergeschlauch (siehe Foto rechts) hochgezogen und das Segel stand im Wind. Bei ganzen 2 Bft rauschten wir unter Hilfe der von hinten kommenden Wellen mit 5-6 ktn durchs Wasser.
Das ging die ganze Zeit gut - bis das Boot, im Strelasund angekommen, immer schneller wurde. Mittlerweile waren wir bei bis zu 7 ktn angekommen und der Gennaker fing an, ungeduldig hin und her zu schwingen. Harry fand das nicht weiter schlimm, mir standen die Schweißperlen vor Aufregung auf der Stirn. Wenn vor einem 7,50 m langen Boot 41m² knallrotes Tuch mal nach vorn und dann wieder seitwärts wandern, sieht das schon sehr ... spannend aus. Trotz verschiedener Trimmversuche bekamen wir dieses Phänomen nicht in den Griff. Da kam aber schon die Abfahrt zu unserem Hafen.
Kurz vor den Tonnen des Fahrwassers habe ich die Schoten gelöst (Leinen, mit denen man vom Cockpit aus die Segelstellung des Gennakers einstellt), damit ich nach vorne gehen kann und den Bergeschlauch über das halbwegs erschlaffte Segel ziehen kann.
.... in diesem Moment löste sich die Verankerung an dem Seil, mit dem der Gennaker am Mast nach oben gezogen wird (für die Segler: der Schäkel am Gennakerfall hatte sich geöffnet). Mit ordentlichem Rauschen fielen die 41m² rotes Tuch ins Wasser. Harry reagierte prompt, lenkte seitwärts und damit den Motor (und das Heck des Bootes) weg vom Segel und legte so schnell es ging den Rückwärtsgang ein.
Ich versuchte während dessen, das noch an zwei Ecken mit Leinen am Boot verbundene Segel wieder aufs Deck zu zerren. Himmel, war das schwer! Nachdem es mich anfangs mit dem letzten Schwung der Fahrt fast ins Wasser gezerrt hatte, bekam ich dank Harrys schneller Reaktion mit dem Rückwärtsfahren des Bootes das Segel nach und nach an Deck. Muss schon lustig ausgesehen haben, wie ich mich mühsam unter dem klitschnassen Segel wieder hervorgebuddelt habe. Das Boot musste ja noch fürs Anlegen vorbereitet werden (Festmacherleinen bereit legen, Fender [bitte bei Google nachschlagen] ausbringen).
Als wir fest am Steg lagen, mussten wir die Sache erst einmal verdauen. Uns war klar, das der Schäkel dringend ausgetauscht werden muss - und wir verdammtes Glück hatten, dass uns das nicht früher mitten auf dem Strelasund passiert war.
Während ich das Deck aufräumteund versuchte das Segel zu trocknen, kümmerte sich Harry um die Technik. Unsere Ruderhalterung muss nachgeschweißt werden, da die Schweißnähte Risse aufweisen bzw. schon gerissen sind und der kleine schwarze Schreihals bekommt zur Belohnung eine Durchsicht und Wartung verpasst. Das Schöne: wir haben alle erforderlichen Firmen dafür im Hafen. Also das Boot raus aus der Box und mit dem Heck zuerst wieder rein, das Ruder "schnell mal" abgebaut und den dicken Schwarzen mit seinen 37 kg von der Motorhalterung gehoben. Ging letzten Endes besser als wir befürchtet hatten. Da wir eh erst in drei Wochen wieder segeln wollen, passt das gerade bestens.
Mit ein paar kleinen Wartungs- und Reinigungsarbeiten bedankten wir uns noch beim Boot für seine treuen Dienste auf dieser langen Tour.
Ha, bis Karlskrona - wer hätte das gedacht.
Wehmütig werden wir wohl morgen Vormittag von Bord gehen. Schön wars.
Schweden und seine Menschen haben mich tief beeindruckt. Die Schönheit und Wildheit der Schären, die einfache und offene Art der Schweden und ihre unaufdringliche Hilfsbereitschaft. Ich könnte morgen sofort wieder ablegen, auf eine Neues - noch weiter, die Ost- und Westküste sind ewig lang.
Gut, das erzähle ich unserem kleinen Außenborder besser erst nächste Saison ... ....
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| wir brauchen ein größeres Boot - zum Segeltrocknen |
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| Das Ruderblatt ist OK, die Metallteile dagegen haben Risse |
Noch ist der Motor dran und ... schon ist er ab.
Rauf auf den Wagen und ab zum Service im Hafen.














































