Dienstag, 20.08.2013
Schweden wollte wohl, das wir da bleiben ... ich hätte nichts dagegen.
Der Abschied von Land und Leute fällt mir schwer.
Der Abschied von Land und Leute fällt mir schwer.
Der Weckruf vom Handy schüttelte uns gnadenlos aus der Koje.Wir hatten es tatsächlich geschafft und sind punkt fünf Uhr aufgestanden. Allerdings sahen wir beide aus, als wären wir gerade erst ins Bett gegangen. Mehr als eine Tasse Tee/Kaffee bekam keiner runter.
Wie geplant verließen wir um sechs Uhr den Hafen und fuhren unter Motor hinaus. Es war ein schöner Morgen, Ystad schlief noch im wolkenverhangenen Sonnenaufgang. Nur ein weiteres Segelboot und eine dicke Fähre aus Polen brachten Leben in das Panorama vor dem Hafen.
Fehlte nur noch Wind ... der muss wohl den Wecker nicht gehört haben. Nur ein einsamer Hauch strich über die kleinen Kräuselwellen der Ostsee. Das darf doch wohl nicht wahr sein!
Jede verdam... Wetterseite im Internet sprach von 4-5 Bft aus Nordwest, später auf West drehend. Wo waren die??? Sollte die eine (norwegische) Seite www.yr.no Recht behalten? Diese hatten als einzige einen sehr schwachen Wind vorhergesagt. Nach ein paar Seemeilen mit dem kleinen Suzuki-Außenbord-Brüller im Nacken versuchten wir es mit dem Leichtwindsegel. Der Wind hatte etwas gedreht und leicht aufgefrischt. Trugschluss! Nach einer halben Stunde gaben wir auf. Der Wind war so schwach, dass sogar der Gennaker - für Leichtwind gemacht - schlaff am Mast herunterhing. Dem Windanzeiger am Masttop war so langweilig, das er sich windlos um sich selbst drehte und im Display lustige Zustände anzeigte.
Also nochmal den kleinen schwarzen Schreihals gestreichelt, ihm was von "nur mal kurz" erzählt und auf Marschgeschwindigkeit (80% Leistung, knapp 5 ktn) aufgedreht. Wir hatten bis Rügen insgesamt 52 Seemeilen vor uns, von denen wir zu diesem Zeitpunkt vielleicht erst 4-5 bewältigt hatten. Was für eine Aussicht.
Die Stimmung an Bord sank auf den Nullpunkt. Harry, dem es allgemein nicht gut ging, verkroch sich unter Deck und ich machte es mir so gut es ging an der Pinne bequem. Cola Zero und schwedische Schokolade in Griffweite - alles bestens.
Als uns alle 8 PS des Aussenborders bis auf Sichtweite (gut 18 Seemeilen) an Rügen herangebracht hatten, sahen wir, wie von Westen ein Schlechtwettergebiet schräg vor uns auf Rügen zutrieb. Das war unsere große Hoffnung: Schauerböen! Nur schlechtes Wetter macht richtig guten Wind.
Und tatsächlich - es frischte mächtig auf. Harry saß eh schon am Ruder, also konnte ich losspringen und die Segel setzen. Lief das Boot vorher unter Motor so um 5 ktn, rauschte es bei 3-4 Bft auf Halbwind mit über 6 ktn übers Wasser. Die schräg von hinten einlaufende Welle war zwar nervig, weil sie das Boot in der Quer- und der Längstachse kippte, aber wir hatten endlich Segelspaß - Harry leider weniger. Dem gab die Welle den letzten Rest. Todmüde und blass hing er in der Cockpitecke vorm Niedergang. Nicht wirklich seekrank - anscheinend richtig krank. Zum Glück blieb das schlechte Wetter beständig vor uns. Ich konnte zusehen, wie Rügen kräftig abgeduscht wurde und genoss den Wind im Segel, der aus dieser Dusche hervorging.
Trotzdem schafften wir die Einfahrt in den Hafen von Lohme (Rügen) ganz gut. Harry übernahm das Ruder, damit ich die Segel runternehmen und das Boot zum Anlegen klar machen konnte.
Der beim Einlaufen fast leere Hafen hat sich bis zum Abend sehr gut gefüllt. Viele deutsche Segler hat es heute aus den schwedischen Küstengebieten nach Hause getrieben. Der einzige Tag der Woche ohne Südwestwind. Zeitweise wurde im Minutentakt angelegt.
Harry liegt seit unserem Anlegen lang, friert vor sich hin und schläft fast durchgängig. Ich fange schon an zu planen, wie ich ihn und das Boot noch die restlichen 50 Seemeilen bis Freitag nach Neuhof bekomme ...
Aber erstmal eine Nacht drüber schlafen und morgen den Patienten bei Lichte betrachten.
Keine Sorgen, wir bekommen das schon hin.
Zum Abschluss noch ein paar Fotos von meiner Telefonier- und Fotorunde im Hafen, damit Harry etwas Ruhe an Bord hat. Telefonate mit ToTo dauern immer etwas länger *zwinker*
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| Als wir einliefen, lagen erst fünf Segelboote im Hafen |
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| Sonnenuntergang am Meer - immer wieder schön |
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| So ein kleiner Hafen und so gut bewacht. Na dann - gute Nacht! |



wie schlimm geht es dem harry?
AntwortenLöschenWenn die Überführung bis Sa Zeit hat, können wir hochkommen nach Lohme und mitsegeln......
Auf jeden Fall gute Besserung.
I&K
Wir druecken dem Harry alle Daumen, dass er ganz schnell wieder gesund wird. Kommt gut nach Hause!
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