Freitag, 16. August 2013

Glücklos ...

Donnerstag, 15.08.2013

... und dann kam auch noch Pech dazu.

Bei bestem Wetter, aber saukalten 13,5°C Aussentemperatur, weckte uns um sechs Uhr mein Handy.
Bei der Kälte freute man sich, so schnell wie möglich in die warmen Segelsachen zu kommen. Kurz noch einen Kaffee für ´nen warmen Bauch und los. Ach ja, und diese ominöse Telefonnummer nochmals angerufen. Man war sich nach langem Papiergeraschel sicher: heute wird nicht geschossen! Na dann ...

Noch einmal für 15 Minuten durch ein paar kleine Schären, dann lag die Ostsee vor uns. Obwohl "lag" übertrieben ist, es war schon ordentlich "wellig". Die Frage war nur, wo diese Wellen bei so wenig Wind herkamen. Dieser klägliche Rest von den angesagten 4-5 Bft waberte mit knappen 3 Bft über die gut 1m hohen, aber kurzen Wellen - und kam als Westwind mit zu viel Südlage rein. In klaren Worten: zu wenig Wind aus der falschen Richtung mit unangenehmer Welle. Unseren Segelversuch brachen wir nach 20 Minuten wieder ab. Der angestrebte Kurs war so nicht haltbar. Gegen den Wind kreuzen kam nicht in Frage; vor uns lagen so schon 52 Seemeilen. Zu allem Übel kamen die Wellen auch noch gegen an und nahmen uns das letzte bisschen Fahrt. Segel runter, Motor an. Der kleine 8PS-Schreihals konnte einem wirklich Leid tun. Die Welle waren so hoch und so kurz, dass sich das Boot regelmäßig in die dritte oder vierte Welle mit seinem Bug reinbohrte und fast aufstoppte. Mit voller Motorleistung schob der kleine Schwarze uns vorwärts. Tolle Aussichten bei der Strecke, die vor uns lag. Von Karlskrona bis runter nach Simrishamn.
Da die nächsten drei Tage Südwind aufkommt, war das unsere letzte Chance, den Heimweg wenigstens anzufangen.
Gegen die Langeweile an der Pinne wechselten wir uns stündlich ab. Die Freiwache lag meistens in der Hundskoje (Sitzbank am Tisch) und döste vor sich hin. Ab frühen Nachmittag ging die Wellenhöhe etwas zurück. Trotzdem hatte der kleine schwarze Schlucker nach 5 Stunden Vollgas ganze 10l gesoffen. Es macht ungeheuren Spaß, bei Wellengang kopfüber in der Backskiste zu hängen und nachzutanken. Egal, auch das gehört dazu. Am frühen Abend zeichnete sich unser Pech des Tages malerisch dunkel am Himmel ab. Direkt über unserem Ziel, was wir schon am Horizont ausmachen konnten, hing eine dicke Schlechtwetter-Front. Der Wind steigerte sich auf satte 6 Bft mit einem Hang zur sieben. Die Wellen wurden immer höher und alles kam direkt von vorn. Also nochmal nachgetankt, solange es nicht regnet, Augen zu und durch. "Durch" bedeutete 3 Stunden Kampf mit den Naturgewalten  - die gewaltig was dagegen hatten, das wir das Land erreichen.

Nach knapp zwölf Stunden kamen wir endlich im Hafen an; müd und kaputt. Die Küche blieb kalt, ab zur Pizzeria. Das hatten wir uns verdient.
Heute wurde lange ausgeschlafen (Harry schlief, ich las und schrieb). Ein Ruhetag in Simrishamn inklusive Tankstellensuche. Der kleine laute Säufer hat seine Vorräte fast aufgebraucht.

In den nächsten Tagen wird es Schritt für Schritt weiter Richtung Heimat gehen.
Wir haben Zeit, kein Grund zur Eile ...


Damit dieser Blog nicht völlig fotofrei ist, hier ein Foto aus unserem"Archiv" vom Segler im Marine-Museum


5 Kommentare:

  1. Oh Mensch, da habt ihr wirklich kein Glück mit passendem Wind..... :( die Welle schien der klassische Vorzeichen der Front gewesen zu sein: die Welle ist etwas schneller als Wind und läuft recht kabbelig davor ("Vorläufer") mit, aber auch ohne Wind... Schwierig, aber nun seid ihr da und könnt gut ausschlafen. Aber ihr habt noch ne Woche frei, oder?...

    Gruss (noch aus buro , aber in paar Stunden geht es an Wannsee ohne Wind und einmal rund Havel...)

    I

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  2. Ja, wir haben noch eine Woche Zeit. Wenn die Zeit reicht, drehen wir noch eine Ehrenrunde auf dem Bodden und besuchen Lauterbach.
    Unser Boot bleib auf alle Fälle bis Ende der Saison an der Ostsee. Wir überlegen schon, ob evtl auf Dauer. Seid nicht traurig, dann haben wir das doch gut eingerichtet. Ein Boot am Wannsee, ein Boot an der Ostsee. Immerhin ist "Nonstop Rund Rügen" in Vierer-Crew noch offen :-)!!!

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  3. :)) keinesfalls traurig :)) ihr seid gerade so in Ostsee "verliebt" das ich mir kaum was anderes gedacht hab. Das rund Rügen oder ähnliches machen wir noch, darauf freue ich mich auch schon :))

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  4. Also wenn jetzt hier die Liste begonnen wird, moechte ich auch mit drauf.Die etwas mehr als Leichtmatrosin ordnet sich auch den wichtigen Worten der Kapitaene unter. Werde auch gleich mit etwas Muckitraining beginnen, denn die Segelleinen ziehen staerker als mein Labbi. Noch eine wunderschoene Urlaubswoche wuenschen wir euch aus dem Pferdedorf.

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    1. Hallo absolute Lieblingsschwester :-)
      Gib Signal, du bist dabei. Bring den Hund mit, laut Hundebuch können Labbis tauchen. Weiß Aron das auch? :-))
      Nein im Ernst, das Boot bleibt ja oben, da wird sich doch bis Saisonende ein Wochenende finden, wo du mitkommen kannst. Lss uns mal telefonieren, wenn ich (ab September) wieder in Berlin bin.

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