Dienstag, 6. August 2013

Auf zu neuen Ufern

Dienstag, 06.08.2013

Wind wäre schön gewesen. Also ich meine den, der doch angekündigt wurde. Mäßiger bis starker Wind (4-5 Bft) aus Südost. Und was war? ... ja, nichts, also ...  kaum, kläglich, ein Hauch, mehr nicht.
Müssen die Polen wieder das meiste für sich behalten haben. Aus der Ecke kamen nämlich diverse nautische Warnungen per Funk. Dafür haben sie ein paar deftige Wellen durchgelassen. Und das segelt sich vielleicht blöd.
Erst einmal starteten wir mit gerefftem Großsegel. Ja schön die Segelfläche verkleinern, soll ja Starkwind aufkommen und da zickt unsere Mariner gerne mal.
... und dann gehst du mit verkleinerter Segelfläche raus und parkst fast noch direkt im Hafenbecken von Ystad, weil der Wind fehlt. Übrigens die perfekte Stelle dafür - hier fahren die großen Fähren nach Bornholm, Saßnitz und Polen. Polen, ihr wisst schon, die mit dem Wind vor der Haustür ... .
Gut, Reff wieder raus, Großsegel wieder groß!

Na gut. Nach rund 80 Minuten gaben wir auf und warfen den Motor an. Immerhin - 4 Seemeilen gesegelt. 24 hatten wir also noch vor uns. Ein hoffnungsvoller Versuch, auf der Südostseite von Schweden mit dem Leichtwindsegel vorwärts zu kommen, wurde auch nach gut einer Stunde wieder abgebrochen. Durch die gut einen Meter hohen Wellen schaukelte das Boot im sehr schwachen Wind erheblich. Dadurch wurde der Gennaker (das Leichtwindsegel, aus extrem dünnem, aber sehr robustem Polyestergewebe) hin und her geweht und bekam keine Stabilität. Ohne Stabilität im Tuch kein Vortrieb. Also runter auch mit diesem Segel und wieder den Motor angeworfen. Mittlerweile hatte sich die Wolkendecke vom Vormittag aufgelöst und die Sonne tat ihr bestes. Gegen 17 Uhr kam dann der angekündigte Wind. Genau in der Stärke, nur 10 Stunden zu spät. Jetzt wollten wir auch nicht mehr, der Hafen war schon in Sichtweite.

Somit kamen wir nach gut 7 Stunden Fahrt gut gegrillt und etwas knurrig in Simrishamn an.

Nachdem das Boot klar war, ging es zum Automaten (Hafenmeister haben auch mal Feierabend), Liegegeld und "Dusch-Erlaubnis" bezahlen. Danach sofort in die Altstadt. Hunger!



Ach, schön hier. Da hat weder Wikipedia noch das Hafenhandbuch (ist immer bei den Papier-Seekarten mit dabei) übertrieben. Eine schöne Altstadt, viele Restaurants und Bars, interessante kleine Läden.



Schnell noch eine Bank gesucht (ja, wir sind natürlich nur mit Euronen unterwegs - wie praktisch, wenn man einen Segeltörn nach Schweden plant), lustiges schwedisches Geld gezogen und den ersten schwedischen Italiener meines Lebens aufgesucht. Bier und Pizza und die Welt war wieder schön und motoren gar nicht mehr so schlimm.
Hej, wir sind in Ostschweden. Skål!
Nach dem Essen ließen wir uns vom Kellner noch den Weg zum nächsten Supermarkt zeigen.
Zimtschnecken original aus Schweden kannte ich schon. Gibt es mittlerweile auch in Deutschland, bei Edeka. Gefährlich lecker. Die gleichen mit Vanille-Blaubeer-Füllung sind mir empfohlen worden und wurden sofort gekauft. Morgen zum Frühstück wird sich zeigen, wie gut dieser Tipp war :-)
Aber wie man bei unserem Einkauf sieht, bin ich sowieso gerade in einer "Blaubeerphase".

Mit solchen Gelüsten ist man ja in Schweden genau richtig. Hier gibt es fast alles aus Blaubeeren: Saft, Eis, Kuchen, Suppen, Soßen, Bonbons, Schokolade.

Abgerundet wurde der Abend mit einer leckeren "Våfler med Daim". 
Boah, süüüüß. Die blanke Sünde. 
Ich werde wohl nach den drei Wochen mit ´nem Containerschiff nach Hause gebracht werden müssen, wenn das so weitergeht.

Jetzt wird es aber Zeit, ins Bett zu gehen. Morgen sehen wir uns hier etwas genauer um.
Ein Tag an Land tut mal wieder Not, es fehlt uns an Bewegung.


Da, in dem kleinen dunkelblauen (wie die Blaubeere) Segelboot wird es jetzt still.
Gute Nacht.


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